Christen weltweit am stärksten verfolgt 
In 64 Ländern, in denen zusammen fast 70 Prozent der Weltbevölkerung leben, ist die Religionsfreiheit sehr stark eingeschränkt oder nicht existent. Christen leiden in besonderem Maße unter Verfolgung und Gewalt. Das christliche Hilfswerk Open Doors veröffentlicht jährlich einen Weltverfolgungsindex, der die 50 Länder auflistet, in denen Christen am stärksten verfolgt oder benachteiligt werden.
 Karte: Der Weltverfolgungsindex 2012. Je stärker die Verfolgung, desto kräftiger der Farbton. (Quelle: Open Doors)
Diskriminierung, Repression und Gewalt Vielerorts erfahren Christen allein aufgrund ihres Glaubens Diskriminierungen und Repressionen. In zahlreichen Ländern ist es verboten, Priester auszubilden, Kirchen zu bauen oder liturgische Kleidung in der Öffentlichkeit zu tragen. Hinzu kommen willkürliche Inhaftierungen, Misshandlungen oder Angriffe aus der Bevölkerung, welche von staatlicher Seite nicht geahndet werden. Die Regierungen tragen in diesen Staaten so zu einem Klima der Straflosigkeit bei, das Intoleranz und Ausschreitungen ermöglicht.
Im Fokus: Kritische Situation in ausgewählten Ländern und Regionen
Irak: Besonders schwierig ist die Lage der Christen heute im Nahen Osten, der Wiege des Christentums. Im Irak zwingen Islamisten die christlichen Minderheiten zur Flucht. Lebten vor zehn Jahren noch mehr als eine Million Christen im Irak, hat die Mehrheit inzwischen das Land verlassen. Sie fanden in Jordanien, Syrien, im Libanon, in der autonomen Region Kurdistan im Nordirak oder in der Türkei vorübergehend Schutz.
Ägypten: Die koptischen Christen leiden unter dem Druck islamistischer Gruppierungen. In der Neujahrsnacht 2011 starben bei einem Selbstmordanschlag vor einer Kirche in Alexandria 21 Menschen, die Opfer waren überwiegend Kopten. Wenige Monate später starben bei einem Angriff auf eine koptische Kirche in Kairo 13 Menschen, über 230 wurden zum Teil schwer verletzt. Die Folgen des "arabischen Frühlings" für die Christen sind noch offen. Bislang zeichnet sich aber bei den ersten freien Wahlen ein Sieg islamistischer Kräfte ab.
Türkei: Waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch etwa 20 Prozent der auf dem Gebiet der heutigen Türkei lebenden Menschen Christen, so beträgt ihr Anteil heute nur noch 0,15 Prozent. Zu den gravierendsten Missständen zählen der zwingend vorgeschriebene muslimische Religionsunterricht sowie das Verbot für christliche Kirchen, Priester auszubilden. Das Kloster Mor Gabriel wurde schon mehrmals verklagt. Es soll seine Ländereien abtreten und wäre dadurch in seiner Existenz bedroht.
Indien: Die indische Staatsverfassung garantiert das Recht auf freie Religionsausübung. Jedoch wird die Religionsfreiheit vielerorts durch sogenannte Anti-Bekehrungsgesetze eingeschränkt. Im Bundesstaat Orissa ist die Lage für Christen besonders angespannt. Im Jahr 2008 sind bei Angriffen radikaler hindunationalistischer Gruppen knapp 300 überwiegend von Christen bewohnte Dörfer angegriffen worden. Häuser, Kirchen und Schulen wurden zerstört. Über 50 Menschen wurden bei den Ausschreitungen getötet und etwa 50.000 Menschen zur Flucht gezwungen. Viele von ihnen können bis heute nicht in ihre Dörfer zurückkehren.
Nigeria: Die nigerianische Verfassung erkennt das Recht auf Religionsfreiheit an, jedoch wurde vor einigen Jahren in den nördlichen Bundesstaaten das islamische Recht (Scharia) eingeführt. Dieses darf zwar formal nur auf Muslime angewendet werden, tatsächlich sind jedoch auch Christen betroffen. Zwischen Muslimen und Christen kam es immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Besonders zugespitzt ist die Lage im Bundesstaat Plateau. 2010 kamen nach blutigen Kämpfen mehrere Hundert Menschen um, die Mehrheit waren Christen.

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